Das verheiratete Echo

Ein ganz normaler Job.

Musikalische Darbietung. 2 KĂŒnstler, etwas Licht. Das Meiste machen sie selbst.

Gibt nicht viel zu tun. Auch mal angenehm.

Erstaunlich viele Menschen finden den Weg in diese kleine BĂŒhne.

Rappelvoll der Raum.

Auch ein paar GĂ€ste.

Trotzdem nett.

 

Pause.

 

Stelle mich etwas abseits an die Bar. Leute gucken. Stimmung einfangen.

Den meisten ist es zu eng im Vorraum und so teilt sich die Masse. Einige gehen wieder auf ihre PlĂ€tze, andere gehen vor die TĂŒr.

„Aber wirklich schön bisher!“

Eine Àltere blonde Dame in chique schwenkt ihr Rotweinglas in weiter Geste.

„…wirklich schön!“ sagt der Mann zu ihrer Rechten. Mit seinem hellblauen Pulli und den wenigen aber zerzausten weißen Haaren scheint er nur alterstechnisch zu der feinen Dame zu passen. Auch das TannenzĂ€pfle in seiner Hand lĂ€sst eher auf Kleingarten als auf Grunewald schließen.

Die Barfrau scheint die beiden zu kennen: „Kennen Sie das Programm noch nicht?“

„Nein,“ sagt die Dame, „gestern waren wir doch beim LĂŒdecke!“

„Beim LĂŒdecke, WĂŒhlmĂ€use!“ ergĂ€nzt der Mann.

„Schön, wenn es Ihnen gefĂ€llt, noch ein Bierchen?“, die Bardame ist geĂŒbt in verkaufsorientiertem Smalltalk.

Der Mann nickt und stellt die leere Flasche auf den Tresen.

„Mit der heutigen ist es die neunundneunzigste Vorstellung dieses Jahr!“

„Schon fast hundert…“ ergĂ€nzt die Dame.

„Bei euch waren wir zwanzig Mal!“ der Mann hat ein breites Grinsen im Gesicht.

Er freut sich wirklich.

Wahrscheinlich aber auch ĂŒber das Bier, das ihm die Barfrau gerade reicht.

„Zwanzig Mal schon. In diesem Jahr!“ bekrĂ€ftigt die Frau.

„Ein paar Auftritte haben wir ja noch,“ sagt die Barfrau. „vielleicht schaffen Sie die 30.“ Sie zwinkert.

 

‚Nana,‘ denke ich, ’nicht ĂŒbertreiben. Preiswert ist es hier nicht gerade.‘

 

„Erstmal kommt wieder Mehringhof. JahresrĂŒckblick, zum Hochzeitstag.“ sagt die Frau.

„Mehringhoftheater, zum Hochzeitstag. Immer.“ sagt der Mann.

„Karten fĂŒr Pispers haben wir auch schon, April. Sonst bekommst du ja keine Karten mehr!“

„Pispers April, ausverkauft!“ erklĂ€rt der Mann.

 

„Ach? Alle Karten schon weg? Ich wollte auch gern zu Volker Pispers. Das ist ja schade.“ die Barfrau ist ehrlich betrĂŒbt.

 

„Da musst du schnell sein, die Karten gehen ja weg wie nix. Wir haben uns extra bei dem Newsletter angemeldet, weil das immer so fix geht!“

„Ganz schnell weg! Wie nix! Brauchste Newsletter!“ bestĂ€tigt der Mann und stellt seine leere Bierflasche auffordernd vor die Barfrau.

„Wir ham uns beim Newsletter angemeldet, da bekommste die Info, wann der Vorverkauf losgeht. Musste schnell sein!“ erklĂ€rt er und nimmt sein frisches Bier entgegen.

„Beim Evers kann man ja GlĂŒck haben und er hat dann noch ein paar Karten. Aber Pispers ist immer gleich alles weg!“

„Evers kann man noch Karten bekommen, wenn er noch welche hat. Hat er manchmal!“

„Normalerweise hat ja das Theater manchmal noch Karten fĂŒr die Stammkunden, aber bei Pispers…“

„FĂŒr Stammkunden hamse ja manchmal…“

„Aber wir reservieren unsere Karten ja immer gleich am Anfang, schon wegen der PlĂ€tze. Abendkasse ist uns nichts.“

„Nee… Amndkasse… wir reservieren immer!“

„Mein Mann sammelt die Karten ja in einem Ordner, dann erinnern wir uns, wo wir schon waren.“

„Dicker Ordner. Neunneunzich diesjahr…“

„Man kann ja nicht nur zu Hause sitzen, da fĂ€llt…“

„Nich nur zu Hause sitzen, wirste ja blöde…“

„…den Hirschausen wollten wir uns zu…“

„Eckart von Hirschhausen…“

„…ansehen. Ich hab ja schon beim ersten Programm TrĂ€nen gelacht…“

„…saukomisch! TrĂ€nen gelacht! Hirschhausen! Knaller!“

 

Der Mann steht mittlerweile direkt neben mir. Verdeckt seine Frau und die Bar.

Mit seiner ĂŒbermĂŒtigen Stimme ĂŒbertönt er jegliches GerĂ€usch in dem kleinen Raum.

Ich schaue zur Barfrau, zeige auf die Uhr.

„Wollen wir weitermachen?“ fragt sie mich.

Ich nicke.

„Nochn Bierchen fĂŒr drinnen?“

Der Mann trinkt den letzten Schluck und stellt die Flasche wieder bestÀtigend vor die Barfrau.

„Und Sie passen heute hier auf?“ fragt mich der Mann.Ich muss schmunzeln.

„Nein, ich mache die Technik. Die Technik.“